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Gesundheits-Apps – nützlich oder gefährlich? Das sollten Nutzer beachten
19.09.2020 21:45
Gesundheits-Apps -nützlich oder gefährlich?

Wer chronisch-krank ist weiß, wie schwer es sein kann den Überblick über seine Gesundheit zu behalten:

Welche Medikamente müssen nachbestellt werden? Wo ist der Zettel mit den Blutdruckwerten?

Aber auch an die regelmäßige und vielleicht sogar zeitgenaue Einnahme von Arzneimitteln zu denken kann im Alltag zur Herausforderung werden.

Die Dokumentation von Messwerten, das Berechnen der Insulindosis und der zu-sich-genommenen BEs oder die Beurteilung des Lungenvolumens und der Blick in den Pollenflugkalender - Apps sollen uns hier den Alltag erleichtern.

Diese Gesundheits-Apps gibt es:

Im Angebotsdschungel gibt es Anwendungen, die uns im „Lifestyle“ unterstützen sollen. Dazu zählen unter anderem Schrittzähler, Bewegungs- oder Fitnesscoach-Apps oder zur Ernährungsberatung.

Service-Apps erinnern uns an die Medikamenteneinnahme und -nachbestellung. Ebenso können diese die Planung von Vorsorge-, Kontroll- oder Impfterminen oder die Dokumentation zum Beispiel von Beschwerden oder Werten vereinfachen.

Medizinische Apps werten Messwerte aus und beurteilen diese. Sie dienen der Diagnosesicherung oder Therapieoptimierung.

Doch welches Hilfsprogramm ist das optimale für mich?

Diese Checkliste soll einen kleinen Überblick geben:

  1. Welchen Zweck hat die App? Welchen Nutzen bietet sie mir? Ist es was ich von ihr erwarte?
  2. Ist die Anwendung aktuell (letztes Update max. vor einem ½ Jahr)?
  3. Ist die App kompatibel mit meinem Endgerät? Läuft sie ohne sich „aufzuhängen“?
  4. Dient die App der Nutzer-Unterstützung, ohne selbst Therapien vorzuschlagen oder gar Diagnosen zu stellen?
  5. Hat die App viele gute Bewertungen und Rezensionen?
  6. Ist die App zertifiziert (z.B. CE-Zertifizierung) oder hat sie ein Siegel, z.B. vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Fachverbänden oder dem TÜV?
  7. Ist die Datenschutzerklärung leicht zu finden?
  8. Gibt es die Möglichkeit gespeicherte Daten zu prüfen und löschen zu lassen?
  9. Sehe ich, wo die Daten, wie und über welchen Zeitraum, gespeichert werden?
  10. Werden nur Daten erhoben, die für die Nutzung erforderlich sind?
  11. Kann ich meine Daten vollständig löschen?
  12. Ist ein Impressum vorhanden, aus dem der Anbieter hervorgeht?
  13. Wer finanziert die App (Krankenkassen, in-App-Käufe, Sponsoren, …)?
  14. Wird neutral über Therapieoptionen oder Produkte berichtet?
  15. Verzichtet die App auf Werbung für einzelne Therapien, Einrichtungen oder Produkte/ Medikamente?

Kann ich diese 15 Fragen mit Ja beantworten? Dann könnte die App die Richtige für mein Anliegen sein.

Bedenke:  Die Daten werden ggf. auch ohne Zustimmung von Dritten gelesen oder an Unbefugte weitergegeben, z.B. wenn jemand die Anwendung hackt. Es empfiehlt sich deshalb abzuwägen, welche Informationen man von sich preisgeben möchte.

Weitere Tipps zur Auswahl der Gesundheits-App:

  • Einige Apps werden von den Krankenkassen kostenfrei für ihre Versicherten zur Verfügung gestellt. Nachfragen lohnt sich auf alle Fälle.
  • Seit dem 19.Dezember 2019 ermöglicht das „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ (kurz: Digitale-Versorgung-Gesetz, DVG) dass Ärzte Gesundheits-Apps auf Rezept verordnen. Dazu müssen die Anwendungen zuvor vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Funktion, Sicherheit, Datensicherheit und Datenschutz sowie Qualität geprüft werden. Für Chronisch-Erkrankte daher mein Tipp: Einfach beim nächsten Arztbesuch nach geeigneten digitalen Helfern fragen.

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